Infielder (alle Positionen), Catcher, neuerdings auch wieder Pitcher: Jeff Hunt will in allen Rollen gewinnen.

Da sitzt er nun, vom Coach nach getaner Batting Practice kurz rausbeordert zum Interview, denn das Training hat ausnahmsweise eine halbe Stunde früher angefangen als sonst, aber der Pressechef soll ja nicht umsonst zum Platz rausgeradelt sein, da sitzt er also nun und beklagt sich. „Wir“, sagt er, „haben zu viele Fehler gemacht. Wir machen zu viele Fehler. Wir“ – und dass in diesem „wir“ ein „ich“ steckt, das hört man, „müssen weniger Fehler machen, wenn wir die Meisterschaft gewinnen wollen.“ Nicht mal das Kompliment zu seinen vielen Hits will er hören. „Das waren ja alles Singles“, sagt Jeff Hunt. „Aber mein Ziel als Hitter ist es“, sagt er, und die Übersetzung ist schwierig, „to drive the ball a bit further“ – den Ball ein bisschen weiter weg zu befördern, linezudriven, paff!, nicht so, dass er gefangen werden kann, nicht so, dass er unterwegs verhungert. „Davon hat das Team mehr“, sagt Hunt. „Und dann hätten wir vielleicht mehr gewonnen.“ Der Infielder beendete das Turnier als einer der besten Hitter einer ohnehin schlagstarken Mannschaft, in etwa gleichauf mit Max Boldt, mit Kevin Kotowski. „Aber ich will nicht als bester Hitter zurückkommen, aber eine Menge Spiele verloren haben. Ich hatte gehofft, mehr Spiele zu gewinnen. Die Offensive hat es ermöglicht. Aber wir müssen uns defensiv verbessern.“

Nationalität
can CAN
Position
Infield
Alter
26
B/T
L/R
Größe
188
Gewicht
86
Denn die Gegner, sagt er, selbst die Profis, die seien überhaupt nicht so übermächtig. „Mir wurde erzählt, dass die Teams aus Italien und Holland gut seien“, sagt Hunt, „aber die Ligen sind enger zusammen than you think.“ Als man denkt? Als Ihr denkt? „Ich kannte sie noch nicht“, erklärt Hunt, „ich wusste gar nicht genau, was ich erwarten sollte. Ich habe sie beim Aufwärmen gesehen. Zwei linkshändige Pitcher, die 90 Meilen werfen, und der Rechtshänder ist auf dem Mound. Das ist eine Tiefe, die wir nicht haben. Aus welchem Grund auch immer haben sie eine Menge Latinos. Bei denen waren die meisten Spieler aus Lateinamerika, bei uns aus Deutschland. Das ist der Hauptgrund, warum sie stärker waren. Es sind die Leute, die sie herüber bringen“, über den Atlantik, „nicht die, die sie hervorbringen“, aus der eigenen Jugend, der eigenen Stadt, der eigenen Umgebung. „Grundsätzlich“, sagt Hunt, „sind wir mit unserem Team nicht so weit von ihnen entfernt.“

Das ist die Perspektive eines Baseballprofis, drei Jahre Rookie- und Single-A-Baseball für die L.A. Dodgers. Der sie pflegt, diese legendäre Eigenart amerikanischer Spieler in Deutschland. Die Unfähigkeit, die Unbereitschaft, sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben. „Es ist ein gutes Zeichen, dass wir Neptunus geschlagen haben“, sagt er. Sagt er mit einer Selbstverständlichkeit, der alles Staunende, alles Überraschte fehlt. „Mit unserem besten Mann auf dem Mound können wir jedes Team in Europa schlagen“, das hat einfach so zu sein. Das beste Team in Europa (laut Turnierergebnis) wurde geschlagen, aber das ist schon eine Woche her. Jetzt geht es darum, das drittbeste Team in Süddeutschland zu schlagen, und weder der Sieg gegen Neptunus noch die beiden Hinspielsiege ändern nichts daran, dass die Partien gegen die Haar Disciples (heute, 19 Uhr, und morgen, 14 Uhr) mit 0:0 beginnen und einem Disciples-Angreifer als erster Mann am Schlag. Und mit der Aufgabe, dieses 0:0 im ersten halben Inning zu verteidigen und im zweiten halben in Führung zu gehen.

Beim ersten Teil der Aufgabe wird Hunt womöglich eine Rolle spielen. Oder vielleicht auch nicht – der eigentlich als Shortstop vorgesehene Infielder hat mittlerweile schon an der zweiten Base gespielt, gecatcht und gepitcht, steht aber vor allem an der dritten Base. Und den Third Baseman braucht man nicht für jedes Aus. „Als Jugendlicher bin ich an der dritten und ersten Base aufgewachsen“, sagt Hunt, „im College habe ich oft an der zweiten und ersten gespielt, in der Highschool eine Menge gepitcht, letztes Jahr den ganzen Sommer über im Outfield gespielt. Catchen ist neu für mich. Wir probieren vieles aus, um weniger Errors zu machen. Mir machen alle Positionen Spaß.“

Der zweite Teil der Aufgabe? Abwarten. Zuletzt ist Hunt von der Position 6 in der Schlagordnung wieder an die Position 5 gerückt. Die qualifiziert ihn auf jeden Fall dazu, schon im ersten Angriffsinning vor dem Dugout den Schläger zu schwenken. Ob er auch die Aufwärmschwünge machen darf, an den Schlag kommt, einen Hit, vielleicht einen RBI haut, vielleicht selbst scort, das hängt von den Kollegen ab. Vielleicht muss er bis ins zweite Inning warten. cka / Fotos: Tanja Szidat

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