Der Schwung der großen Saison 1999 geht im folgenden Jahr ein bisschen verloren. Und dennoch verteidigen die Mainz Athletics im Süden ihren Titel. Der erste Spieltag deutet schon beides an: Die Partien beim Vorjahres-Vizemeister Mannheim Tornados sind eng. Aber die A’s gewinnen beide: 12:11 und 2:1. Die Spiele sind in mehrerlei Hinsicht symbolisch für die Saison.

Nationalität
dom DOM
Position
Third base
Alter
43
B/T
R/R
Größe
183
Gewicht
72
Vorherige Vereine
Leistungsträger fehlen: Eddy Polanco ist in die US-Minor Leagues gewechselt. José Miguel Pimentel, sein Nachfolger, ist offensiv und defensiv besser, allerdings kein Pitcher. „Die linke Seite war mit den Amerikanern geschlossen“, sagt Marc Wiedmaier, „aber wir hatten wieder keinen Closer.“ Auch Kai McKinstry ist nicht mehr dabei. Die 19-jährigen Michael Otto und Benjamin Hieronimi füllen die Lücke, erreichen aber noch nicht das Niveau ihrer Vorgänger.

„Dirk Günther war nicht mehr richtig gut“, erinnert sich Wiedmaier. „Er hat die Kiste vollgekriegt.“ Jan Sören Meyer schwächelt, Otto kommt erst ganz kurzfristig zu den Spielen in Mannheim aus den USA zurück. „Da haben wir uns leicht verschlechtert, aber irgendwie haben wir uns durchgewurschtelt“, sagt Wiedmaier.

Es gibt weitere Ausfälle: Stefan Niewiadomski ist verletzt und verpasst fast die komplette Saison. Catcher Janusz Radicke verpasst die Hinrunde, steigt dann aber mit der Erfahrung von einem halben Jahr an einem US-College ein. Bis dahin muss ihn Stephan Kaus vertreten. Der nächste schwere Verlust ist Alper Bozkurt, der beim Versuch eines Doubleplays vom Mannheimer Jens Heymer rabiat umgesenst wird und mit Wadenbeinbruch bis zum neunten Spieltag fehlt. „Toll war’s nicht“, sagt Wiedmaier. „Für mich als Coach und für das Team war es im Vergleich zum Vorjahr eine große Herausforderung, weil einfach zu viel Mist passiert ist. Wir hatten aber die Tiefe im Kader, um das wegzustecken.“

Nationalität
ger GER
Position
Pitcher
Outfield
Alter
37
B/T
R/R
Positiv: Pimentel und Eddie Martínez schlagen im ersten Spiel ihre ersten Homeruns – viele weitere folgen. Otto ist im Angriff eine unerwartet gefährliche Waffe, insgesamt fliegen nicht weniger als 46 Mainzer Homeruns aus den Bundesligastadien: Vereinsrekord.

„Inzwischen waren alle mit Baseball groß geworden“, sagt Marc Wiedmaier. „Ein bisschen was konnten sie alle. Sogar Meyer hat einen Ball rausgehauen. Auch der konnte das. Er durfte nur nicht oft.“

Gleichzeitig kommt eine neue Generation langsam in der Bundesliga an. Julian Aufenanger, Florian Arnold, Manuel Möller und Martin Kipphan, große Talente, erfolgreiche Jugendspieler, 2007 Deutscher Meister mit der ersten Mannschaft, spielen allerdings noch keine große Rolle.

„Wir haben natürlich noch nicht zum Inventar gehört“, erinnert sich Kipphan. „Dafür waren wir noch nicht gut genug. Aber es war klar, dass die Stammspieler älter werden. Da müssen andere nachkommen.“ Kipphan selbst fährt als Aufwärm-Catcher für die Einwechselpitcher mit, Möller als Pitcher, „denn Pitcher kann man nie genug haben“, erklärt Kipphan. „Wir hätten allerdings gern ein bisschen öfter gespielt. Wir fahren nach Baldham, führen 10:0, da fragt man sich schon, ob man nicht mal ein Inning im Leftfield spielen dürfte.“ Das Debüt bekommen die Nachwuchsspieler schließlich bei den überforderten Friedbergern. Möller kassiert in zwei Innings sieben Runs, schlägt aber selbst einen Hit, holt einen Walk und scort zweimal. Kipphan schlägt beim einzigen At Bat in dieser Saison in ein Fielder’s-Choice-Groundout an der dritten Base, bringt damit aber einen Kollegen heim und scort später selbst. Kristof Brockmann nutzt seine einzige Chance sogar zu einem Double.

Nationalität
ger GER
Position
Pitcher
Infield
Outfield
Alter
37
B/T
R/R
Vorherige Vereine
In den Playoffs erleben die A’s die inzwischen beinahe gewohnte Katastrophe. „Das Team hat angesicht der Umstände hoch performt“, sagt Wiedmaier. „Wir haben die Liga gewonnen und im Halbfinale dem Favoriten Lokstedt zwei geile Spiele gegeben.“ An deren Ende aber wieder das Aus in der ersten Playoff-Runde steht.

„Niewi haut bei Bases Loaded ein Double die Linie entlang“, erinnert sich Wiedmaier, „aber nach dem Schlag callt der Schiedsrichter: Time. Es war ihm zu laut im Mainzer Dugout. Alles wieder zurück. So haben wir das verloren. Das ist bitter. Wir haben eigentlich immer sehr bitter verloren.“

Das Hinspiel in Hamburg findet unter gerade so regulären Bedingungen statt: Stundenlang hat es geregnet, der erste Pitch fliegt mit 90-minütiger Verspätung zur Platte. Auf dem tiefen Boden geben die A’s eine 2:0-Führung ab. Ein einziger Homerun von Chris Bradley im zweiten Inning sorgt für die 0:1-Niederlage im zweiten Spiel und das frühe Saisonende. cka / Fotos: Mainz Athletics

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