2009 setzt sich der schleichende Niedergang der Athletics nach der Meisterschaft fort. „Die Saison ist super zu Ende gegangen“, sagt Martin Kipphan. „Wir waren ein Aus weg von den Playdowns, lagen einen Punkt zurück und haben es doch noch in die Playoffs geschafft. Aber das war nicht schön.“

Nationalität
ger GER
Position
Pitcher
Alter
28
B/T
R/R
Größe
190
Gewicht
105
Vorherige Vereine
Es ist ein Krimi von der Art, die die A’s immer wieder aufführen. Zutaten: extremer Zugzwang, Außenseiterrolle, Überlänge, Dramatik bis zum Schluss. Ein ausgezeichneter Pitcher (Jan-Niclas Stöcklin), eine tobende Sandflora, die spürt, dass sie gebraucht wird, und ein herrlicher Schlag des eigens dafür eingewechselten Nachwuchsspielers Kevin Kotowski bringen die A’s mit der letzten Aktion der regulären Saison doch noch in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Gerade so, mit einer Bilanz von 9-15 Siegen – der Letzte der erstmals nur sieben Teams umfassenden Tabelle hat nur drei Siege weniger.

Dass sich fast sieben Stunden nach dem ersten Pitch an der zweiten Base die komplette Mannschaft jubelnd auf den 18-jährigen Kotowski stürzen würde, liegt schon ein wenig in der Luft, aber es ist richtig knapp: Im neunten Inning des letzten Saisonspiels steht es 1:2 gegen die Heidenheim Heideköpfe und die A’s müssen unbedingt gewinnen. Zwei Mann sind auf Base, zwei sind aus. Und Kotowski trifft die Lücke zwischen den Infieldern, drischt den Ball nahe an den Outfieldzaun. „Als ich an der Zwei war, habe ich zur Homeplate geguckt und gesehen, dass Janni angekommen ist“, sagt Kotowski. Das Spiel ist gewonnen, dank ihm, dank Stöcklins Pitching, dank der Sandflora. „Das Publikum hat zum Saisonende echt Gas gegeben. Für die Jungen, die bei unserer Meisterschaft noch auf der Tribüne saßen, ist es super, dass der ganze Verein so hinter ihnen steht“, strahlt Cae Santos.

Nationalität
ger GER
fin FIN
Position
Center field
Alter
27
B/T
L/R
Größe
183
Gewicht
80
Es ist so ziemlich das einzige Highlight einer tristen Saison. Die Abgänge von Sascha Lutz (zu den Mannheim Tornados), Keigo Miyagi (mal wieder auf dem Sprung nach Amerika), Benjamin Hieronimi (Karriereende) und auch des talentierten Pitchers Dimitar Nassapow (keine Aufenthaltsgenehmigung) reißen große Löcher in den Kader. „Vielleicht hätten wir etwas mehr in den Kader investieren sollen“, sagt Kipphan. „Man hat gesehen, auch im Jahr danach, dass es einfach nicht reicht. Die Grundidee von Cae und Ulli war gut: Meister werden wir mit diesem Team sowieso nicht, also holen wir keine teuren Ausländer, die nur ein Jahr da sind, sondern geben den Jungen die Chance.“ Die beiden Nicht-EU-Ausländerplätze sind weiterhin an den weiterhin lediglich offiziell nicht eingebürgerten Mike Larson und an den nicht überdurchschnittlichen Shu Sasaki vergeben, der solide catcht, aber am Schlag weit von dem entfernt ist, was man von einem Baseball-Ausländer erwartet. Dazu kommt ein einziger EU-Ausländer: Raef Hobbs-Brown. Der Australier mit britischem Pass ist der zweitbeste Mainzer Angreifer.

Kotowski, Stöcklin, Nici Weichert, Andreas Lastinger und Tim Stahlmann wiederum entwickeln sich weiter zu vollwertigen Bundesligaspielern. „Das hat ihnen viel gebracht“, sagt Kipphan. „Sie haben wichtige Erfahrungen gesammelt.“

Kipphan sieht aber auch eine Schattenseite: „Wenn man zu früh zu viel spielt, dann ist es nichts Besonderes. Manu und ich haben in der Bundesliga drei Jahre auf der Bank gesessen und durften auf einmal spielen, Da fängt man an, hart zu trainieren, ist ständig im Fitnessstudio. Wenn man sich den Einsatz in der ersten Mannschaft nicht verdienen muss, führt das zu Bequemlichkeiten. Der Fanatismus hat gefehlt.“

Nationalität
aus AUS
Position
Pitcher
Catcher
Shortstop
Alter
32
Vorherige Vereine
2009 geht der Leistungsanspruch verloren, die Erwartungshaltung sinkt. „Das Ziel war nicht mehr die Meisterschaft“, sagt Kipphan. „In diesem Jahren war es vielleicht zu niedrig.“ Das Niveau sinkt mit. „Wir haben auf der Sandflora teils vor fünfzehn Leuten gespielt“, erinnert sich Kipphan, „und die waren nicht besonders happy, wenn sie gegangen sind. Siska sitzt vier Stunden an der Kasse und am Ende haben zwei Leute Eintritt bezahlt. Egal ob wir gewonnen oder verloren haben: Wir haben keinen schönen Baseball gespielt. Nach dem Hoch mit der Meisterschaft wollten sich die Leute das nicht mehr angucken. Das war nicht schön. Es waren schwierige Jahre.“

Aber Hoffnung ist da: Die Jugend und die Junioren werden Deutscher Meister. „Um 2000 herum wusste man: Wenn man gegen eine Mainzer Mannschaft spielt, wird das auf jeden Fall schwer“, sagt Teammanager Ulli Wermuth. „Diese Grundeinstellung wollen wir in den deutschen Baseball zurückbringen.“ cka / Fotos: Tanja Szidat, Manfred Holzhauser

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