Daniel Wolfraum sorgte mit seinem ersten Homerun im A’s-Trikot für den Höhepunkt unseres Big Innings und für die 7:3-Führung
Victor Voll machte als Ersatz-Shortstop zwei ausgezeichnete Spiele und schlug vier Hits
Austin Gallaghers Offensivleistung (vier Hits im ersten Spiel trotz des obligatorischen Intentional Walk) wurde nur von Mitch Nilsson übertroffen.

Ein bisschen frustriert war er am Ende, der Coach. Aus dem erhofften Sieg in Heidenheim war am Freitag nichts geworden, ist auch am Samstag nichts geworden. „Wir können sie schlagen“, hatte Max Boldt vor dem Spieltag gesagt, „wir sind gut genug. Wir laufen ohne Angst auf.“ Am Ende aber stehen: Zwei Niederlagen.

Ergebnisse

Mannschaft123456789RHE
Athletics00007200211152
Heideköpfe10021035-12140
Details zum Spiel
Zwei Niederlagen, deren Ergebnisse den Spielen und den Leistungen nicht uneingeschränkt gerecht werden. Das mit der Angst, das stimmt. Den Respekt, der dem Deutschen Meister ebenso zusteht wie dem Bundesliga-Neuling, den hatte unser Team; in die Außenseiterrolle wollte es sich nicht fügen. So stand es am Freitag nach sieben Innings 9:7 für uns, heute nach sechseinhalb Innings ebenfalls 9:7, nach sieben 9:8. „Der Sieg war drin“, sagte Boldt. „Wir haben offensiv sehr, sehr gut gespielt, viele Punkte gegen gutes Pitching gemacht. Das werden die Gegner auch sehen. Nur müssen wir, wenn wir elf“ – denn am Freitag kamen wir nach dem 9:12 noch einmal bis auf einen Run heran – „und neun Punkte machen, auch die Spiele holen.“ Wir müssen die Spiele holen. So etwas sagt auch nicht jeder, der gerade gegen die in 30 Spielen 25 Mal siegreichen Heideköpfe gespielt hat. So etwas kann nur sagen, wer in der Tat sehr, sehr nah dran war.

Am Freitag war Mitch Nilsson der entscheidende Spieler. Der Australier, der an der zweiten Base der Heidenheimer spielt, war an jeder offensiven Schlüsselszene beteiligt. Selbst sein schwacher Schlag im ersten Inning führte zu einem Run – das Play war möglich, ging schief, Error, zwei Bases für den Runner Jay Pecci. Beim zweiten Mal am Schlag holte sich Nilsson den Walk, der ihn auf den Weg zum 2:0 brachte; auch Simon Gühring, der ihm den RBI schlug, scorte. Beim dritten Versuch schließlich schlug der Infielder den Homerun, mit dem die Heideköpfe auf 4:7 verkürzten.

Denn zwischendrin hatten wir unser Big Inning. Nach dem Walk für Victor Voll und dem ersten und dem zweiten Aus brach das Pitching der Heideköpfe zusammen, kassierte Logan Grisby den Basehit von Austin Gallagher, gab der Kalifornier Walks für Kevin Kotowski und Shane Salley (1:3) ab, musste er den Schlägen von Timmy Kotowski (2-RBI-Double), Martin Kipphan (RBI-Single) und Daniel Wolfraum-Bonnel (3-RBI-Homerun!) hinterher sehen. Erst sein Reliever kam aus dem Inning heraus. Unsere Reaktion auf Nilssons Homerun folgte auch schnell: Auch Austin Gallagher schlug den Ball über den Zaun und nahm Max Boldt zum 8:4 und 9:4 über die Platte mit.

Nationalität
ger GER
Position
Catcher
Infield
Alter
30
B/T
R/R
Größe
182
Gewicht
103
Vorherige Vereine
Das Problem – ein Problem, das Führungen gegen Heidenheim oft mit sich bringen: Es war noch eine Menge Spiel übrig, noch drei Innings. „Und wir haben gegen eine andere richtig gute Offensive gespielt, von den Statistiken gegen die beste im Land“, sagte Boldt. „Die sind immer für eine Menge Punkte gut.“ Diesmal für eine Menge Homeruns: Nilsson schlug zwei weitere für insgesamt vier Punkte, Sascha Lutz schlug einen für zwei Runs, Gary Owens ebenfalls. Im siebten und achten Inning gingen die Heideköpfe wieder in Führung, 12:9. Obwohl aber das neunte Inning mit zwei Strikeouts begann, fehlte am Ende gar nicht viel zum Ausgleich: Vier Basehits von Victor Voll, Peter Johannessen, Max Boldt, Austin Gallagher sowie ein Wild Pitch brachten zwei Mann über die Platte, das potenzielle 12:12 stand an der zweiten Base, das 13:12 an der ersten – doch Heidenheim rettete sich ins letzte Aus. Drei Hits von Johannessen, zwei von Boldt, vier von Gallagher, sechs vom Rest der Lineup reichten aus, um die Heideköpfe an den Rand der Niederlage zu bringen, aber nicht, um das Spiel tatsächlich zu gewinnen.

Wir bringen es nicht übers Herz, in den Archiven nachzusehen, ob vor Shane Salley schon einmal ein Spieler in einer Partie fünf Hits geschlagen und trotzdem in neun Innings verloren hat. Lieber wünschen wir es unserem Leftfielder, nächste Woche der umjubelte Matchwinner zu werden.
Auch Peter Johannessen hätte es verdient, nach sieben Hits in zwölf Versuchen ein Held des Wochenendes zu sein.

Am Samstag war’s noch extremer, noch spektakulärer, noch besser, was unsere Jungs zeigten. Noch frustrierender, dass es in eine deutlich übertrieben hohe Niederlage führte – wenn’s auch nach einem Inning nach nichts anderem als einem Fiasko aussah.

Ergebnisse

Mannschaft123456789RHE
Athletics1104012009191
Heideköpfe60001016-14131
Details zum Spiel
Denn nach einem Inning führten die Heideköpfe schon 6:1. Peter Johannessen hatte uns nach seinem ersten von erneut vier Hits in Führung gebracht, Connor Little aber hatte enorme Probleme mit dem ersten Inning. Und nicht nur mit seiner Genauigkeit. Ein Double, drei Singles und fünf Walks gab Little in diesem ersten Durchgang ab. „So viele Walks macht er normal nicht“, sagte Boldt, „und da waren einige Calls, die nicht in unsere Richtung gingen. Für mich sah es so aus, als wäre dabei der eine oder andere Wurf wahrscheinlich ein Strike gewesen.“

Nationalität
ger GER
Position
Infield
Alter
26
Größe
176
Gewicht
88
Vorherige Vereine
Unser Starter ließ sich davon aber nicht beirren, zeigte nicht zum ersten Mal, dass er solche missratenen Innings wegstecken kann. „Er hat ja sein Leben lang Pro-Ball gespielt“, sagte Boldt, „und er hat sich gefangen und sehr gut geworfen. Das war extrem wichtig.“ Denn es gab der Offensive die Gelegenheit, auch dieses Spiel zu drehen. Mit insgesamt 18 Hits gegen RJ Hively und Clayton Freimuth kamen wir schnell zurück. Lennard Stöcklin brauchte nicht viel, um im zweiten Inning auf 2:6 zu verkürzten und im vierten schafften wir schon den Ausgleich. Daniel Wolfraum-Bonnel war gewalkt, der als Ersatz-Shortstop ganz hervorragende Victor Voll hatte seinen dritten Basehit des Wochenendes geschafft, Boldt mit einem Double beide über die Platte gebracht. Austin Gallagher bekam den inzwischen obligatorischen Intentional Walk, seinen zwölften schon in 28 Spielen. Sicherlich frustrierend für unseren besten Hitter, „aber ich kann’s verstehen“, sagte Boldt. „Wir hätten es natürlich auch lieber, dass er haut, aber sie fürchten sich vor dem Homerun.“ Geholfen hat’s nichts, denn nach Shane Salleys Hit scorten Boldt und Gallagher trotzdem zum 6:6.

Selbst ist Boldt kein Freund dieses Stilmittels. „Ich mache das nicht so gerne“, sagte der Coach, „ich habe immer viel Vertrauen in meine Pitcher.“ Auch gegen Nilsson hat sich der Intentional Walk genau einmal angeboten, im ersten Spiel vor dem 7:9, als Owens gerade ein Double geschlagen hatte und die erste Base frei war. „Aber wer geht schon davon aus, dass der drei Homeruns haut?“, fragte der Coach. „Außerdem kommt, wenn wir den walken, gleich der nächste Hitter, der das auch kann.“ In diesem Fall Simon Gühring, der Homerun-König der Bundesliga. „Dadurch wird’s nicht besser“, sagte Boldt.

Nationalität
usa USA
Position
Outfield
Alter
31
B/T
R/R
Größe
178
Gewicht
93
Vorherige Vereine
Den Homerun von Johannes Krumm im fünften Inning konterten Kevin Kotowski und Shane Salley mit ihrem jeweils dritten Hit des Spiels und dem erneuten Ausgleich. Basehits von Johannessen, Boldt, Gallagher und Salley brachten im siebten Inning gar das 9:7. Erst als Little nach diesem siebten Durchgang und 134 Pitches vom Platz musste, ging auch diese Partie verloren. Lennard Stöcklin, der bewährte Closer, stand nicht zur Verfügung, er hatte ja schon am Vorabend knapp sieben Innings lang den nach wie vor verletzten Tim Stahlmann vertreten. Daher brachten wir Yannic Wildenhain. Und die Heideköpfe wechselten sofort Mitch Nilsson ein, der mit noch einem Homerun den Ausgleich schlug. Die überragende Offensive, die mit Sascha Lutz, Jay Pecci, Gary Owens, Simon Gührung, Ludwig Glaser beginnt und danach mit noch ein paar deutschen Nationalspielern weitergeht, legte gegen unser Nachwuchs-Pitching mit Timmy Kotowski und Ben Briggs noch fünf Runs nach zu einem angesichts unserer 19:13 Hits geradezu albern hohen 14:9, das auch Salleys fünfter (!) Hit nicht mehr umzuwerfen vermochte.

Nach dem aber Boldt noch einmal betonte: „Der Sieg war drin, in beiden Spielen. Und bei allem Frust müssen wir das mitnehmen: Dass wir wissen, jeden Gegner schlagen zu können. Auch heute waren es zwei Mannschaften auf Augenhöhe. Wir haben früher in der Saison halt ein paar Spiele unnötig verloren, wir haben as Potenzial nicht immer gezeigt. Gegen Heidenheim haben wir es gezeigt.“ Und nun geht es darum, es auch gegen die Haar Disciples zu zeigen. cka / Fotos: Steffen Marg, Kalle Linkert

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung, insgesamt oder in Teilen, bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.