
U19-Softball gibt es sozusagen im SWBSV nicht – zumindest nicht aktuell. Junge Spielerinnen, die nicht mehr U16 sind, spielen in der Verbandsliga mit. In der aktuellen Saison ist das auch in Mainz so.
In den vergangenen Jahren sah das anders aus. Im Sommer 2023 wurde eigenes eine Nachwuchsmannschaft bei den Mainz Athletics gegründet, mit großer Altersspanne.
Im Sommer 2024 spielten die jungen Softballerinnen ihre ersten Spiele, in einer Spielgemeinschaft mit Mannheim. Eine Saison später standen sie im eigenen Trikot auf dem Feld: In der Perspektivliga des HBSV und in der U16-Liga Baden-Württembergs – mit Sondererlaubnis für die U19-Spielerinnen.
Erst seit der aktuellen Saison gibt es eine eigenständig U13- und U16-Mannschaft in Mainz. Und, aktuell, fünf U19-Spielerinnen in der Verbandsliga.
Nun kann man mit fünf Spielerinnen nicht zu einem Länderpokal fahren.
Zum Glück besteht die langjährige Beziehung zwischen dem SWBSV und dem HBSV und vor allem bei den RedWings der große Wunsch, ebenfalls den eigenen jungen Spielerinnen dieses sportliche Highlight zu ermöglichen. Ab November ’25 fanden gemeinsame, monatliche Auswahltrainings statt, die bis April geplant waren.
»Ich habe mich sehr gefreut, als das anlief«, erzählt Feli Pommerening aus dem Vorstand der Mainz Athletics, wo sie speziell für Softball zuständig ist. »Je mehr Nachwuchs wir haben und umso länger das alles läuft, umso natürlicher geht dann jetzt auch der Schritt Richtung Leistungsebene. Unsere U19-Spielerinnen waren dieses Jahr alle dafür bereit. Und ich habe ihnen sehr gewünscht, dass das für sie klappt.«
Vor dem Länderpokal-Termin bedarf es dann aber doch noch einiger Anstrengung. Im Januar steht der SWBSV plötzlich vor unerwarteten Herausforderungen.
»Da haben wir dann auch bei uns im Verein geschaut, welche Lösungen wir anbieten können«, erzählt Pommerening. Ohne zu zögern sind aus den Reihen der Athletics Menschen an Bord gekommen: Douglas Globke und Maja Rieger als Coaches-Team, Karo Oswald als Managerin und mehrere U16-Spielerinnen bzw. ihre Familien, die ihre Unterstützung fest zugesagt haben. »Der Verband musste dadurch keine Sekunde zögern und war dann auch direkt sehr klar: Wir ziehen nicht zurück, wir machen alles, damit die Spielerinnen fahren können. Das ist toll, wenn so viele Leute mit derselben Mentalität an einem Strang ziehen, mit dem Verständnis, was so ein Turnier bedeutet.«
Matt Slovig, vom Vorstand des SWBSV, ist froh, wie am Ende alles Puzzleteile zusammenfielen. »Wir bedanken uns bei den Hessen für die Zusammenarbeit und Unterstützung und bei den RedWings für ihre Hartnäckigkeit.« Am Ende stand die Spielgemeinschaft. – Durch Frank Siebers von den RedWings sogar mit drei Coaches für die jungen Spielerinnen. »Die Zusammenarbeit zwischen den Spielerinnen und Coaches war von Anfang an offen, motiviert und unkompliziert«, erzählt er. »Die Mädels haben sich gegenseitig unterstützt, angefeuert und als Team funktioniert.«
Für die vier mitgefahrenen Hessinnen war der Länderpokal nichts komplett Neues mehr. Auch Helen Junghans aus Mainz war zum zweiten Mal dabei. Mona Brauch, 13 Jahre alt und ebenfalls aus Mainz, ist schon lange sowohl im Softball als auch im Baseball im Leistungssport, sogar auf internationaler Ebene.
Aber für die neun anderen Spielerinnen war es das erste Turnier dieser Art und alleine deswegen ein einprägsames Erlebnis. »Dieses hohe Niveau, die Atmosphäre und die Intensität der Spiele«, meint Siebers, »das ist eine besondere Erfahrung.«
Fünf der ‚Neulinge‘ sind außerdem noch jung – aus der Mainzer U16-Mannschaft.
Coach Globke kennt sie alle gut: Im Sommer 2025 stieß er in Mainz als Coach zur Softball-Nachwuchsmannschaft dazu, seit ‘26 ist er Head-Coach der U16, begleitet aber auch immer noch intensiv die U19, zumal er in der Verbandsliga als Coach ebenfalls aushilft. SWBSV-Auswahlcoach war er nun zum ersten Mal, eingesprungener Maßen, erfüllte seine Rolle aber sofort mit großem Ehrgeiz und sehr viel Herzblut, schon im Vorfeld.
»The girls played beautifully«, resümiert er nach dem Länderpokal. »The growth from these players in the short time they have been playing… I saw the girls make beautiful play after beautiful play. They were impressive, both sides of the ball.« Die Spielerinnen hätten ihn sehr beeindruckt – gerade weil sie noch nicht ewig diesen Sport machen. Er habe einen schönen Spielzug nach dem nächsten gesehen, defensiv und offensiv genauso.
Wie Siebers ist auch ihm aufgefallen, wie gut und schnell die Spielerinnen aus den beiden Vereinen zusammengewachsen sind. »The spirit of this team truly showed greatness in how they lifted each other during our few rough innings.«
Die »rough innings«, wie Globke sie nennt, waren wenige, aber sie waren immer wieder das, was der Spielgemeinschaft aus Hessen und dem SWBSV die Siege genommen habe.
Im ersten Spiel ging dabei alles sehr gut los. SWBSV/Hessen ging in Führung und hielt die Angriffe der Gegner kurz – vier Innings lang. »Then nerves and errors got to us in the final fifth inning.« Kurz vor Schluss passieren dann zu viele Fehler und das Spiel geht verloren. Trotzdem haben die Spielerinnen dieses erste Spiel als »das Beste« in Erinnerung, weil es so lange so spannend lief.
Generell bleibt die Stimmung das ganze Pfingstwochenende lang gut. Laura Franzen, eine der Mainzer U19-Spielerinnen, erzählt von der kompletten Turniererfahrung in Freising ausnahmslos im positiven Ton. Natürlich denkt sie besonders gerne an ihren phänomenalen Sliding Catch, mit dem sie einen Line Drive im rechten Centerfield gefangen hat. Aber als »persönliches Highlight« nennt sie diesen Moment auffälligerweise nicht. Dazu fällt ihr stattdessen ein: »Dass wir uns als Team besser kennengelernt haben und zusammen Spaß hatten.«
Selbst die Hin- und Rückfahrt hat sie als spaßigen Teil des Wochenendes gut in Erinnerung. Außerhalb der eigenen Spiele habe sich das Team die Begegnungen der Anderen angeschaut, den Merch-Stand unsicher gemacht und abends zu Werwolf-Spielen zusammen gesessen.
Auch Globke erinnert sich neben dem Sportlichen vor allem an eins, wenn er an das Wochenende zurückdenkt: »Big smiles.« Sehr viel großes Grinsen.
So knapp wie im ersten Spiel wird er leider im weiteren Turnierverlauf nicht mehr. »BaWü, NRW, Bayern und Berlin waren extrem stark besetzt«, erzählt Siebers. »Aber unsere Spielerinnen haben nie aufgegeben.« Globke sieht dabei vor allem, dass die Konstanz fehlt. Immer sind es nur diese wenigen, schwierigen Innings, in denen plötzlich alles schiefzugehen scheint, die am Ende entscheiden – während außerhalb davon lauter starke Aktionen und eine gute Konzentration zu sehen sind.
Karo Oswald, die zusammen mit Nadine Kochheim von der SWBSV-Jugend alles im Vorfeld organisiert hat und dann vor Ort alleine zuständig war, ist froh, dass alles geklappt hat. »Dem Team hat das gut getan. Sie waren sehr stolz dabei zu sein.«
Für Pommerening wiegt das dieses Jahr besonders viel. »Natürlich habe ich ihnen gewünscht, dass sie Spiele gewinnen. Aber ich bin sehr zufrieden nach allem, was ich gehört habe. Dass sie das Turnier so genossen haben. Und wie sie sich gezeigt haben. Mega.«
Mit den U19-Spielerinnen aus Mainz hatte sie vor dem Länderpokal nochmal gesprochen. »Wir müssen unseren Spielerinnen oft eine gewisse Scheu nehmen, mit der sie erstmal zu uns kommen. Überall sonst lernen Mädchen, fehlerlos zu sein – oder es lieber gar nicht zu versuchen. Und bloß keinen Raum einnehmen! Bei uns geht es um das Gegenteil und da arbeiten wir sehr viel dran. Unsere U19er wissen das natürlich schon. Aber es hat jetzt gut gepasst, da nochmal klare Worte für zu finden, um ihnen damit vielleicht nochmal speziell den Rücken zu stärken und ihnen Mut zu machen.«
Über die Zusammenarbeit mit den RedWings bzw. zwischen den Verbänden ist sie sehr froh. »Die Coaches haben sich prima verstanden und die Spielerinnen bilden ein starkes Team – ich bin sicher, die können da in Zukunft zusammen noch viel erreichen.«
Das sieht auch Coach Globke so. »We held our own with all the other teams except for one inning in each game. The other teams were able to rebound better than we could.« Was das Team noch braucht, ist Spielerfahrung, um genauso gut wie die anderen Mannschaften stabil zu spielen. »Länderpokal 2027 might just see a change in the winner’s circle.« Im nächsten Jahr klappe es dann bestimmt auch mit den Spielsiegen.
Matt Slovig ist auch so schon zufrieden. »Das war ein wichtiger Baustein in der sportlichen Entwicklung von unserem Softball-Nachwuchs, wobei auch Teamgefühl und Gemeinschaft wichtige Dinge sind, die wir mit so einer Teilnahme fördern wollen.«
Dieses Ziel wurde offensichtlich erreicht.
»Ich könnte keine einzelne Spielerin hervorheben«, sagt Laura. »Weil alle toll waren.«
Fotos: Frank Siebers