
Die Mainz Athletics Softball-Nachwuchsspielerinnen haben ihr erstes internationales Turnier erlebt: den Joudrs International Cup U18 in Prag.
Vom 7.-9. August spielten die Mainzerinnen gegen zwei U19-Mannschaften der Gastgeber, gegen die Freising Grizzlies, die Onze Gezellen aus den Niederlanden, Sever Brno aus Tschechien, Stars Ronchi aus Italien und gegen die tschechische U15 Nationalmannschaft.
Insgesamt waren 20 Mädchen im Mainzer Trikot am Start. Vicky Morales Weggeman, Nachwuchsmanagerin im Verein der Athletics, freut sich über die große Zahl. »So ein Turnier ist für alle Kids immer super. Das ist geballte Spielerfahrung, Turniererfahrung und richtig viel, was jede Einzelne zusätzlich mitnimmt. Sehr oft sagen ältere Spieler und Spielerinnen später noch rückblickend, dass die Turniere die Highlights ihrer Jugend bei uns waren. Natürlich freuen wir uns auch deswegen, wenn wir unserem Nachwuchs entsprechend viele solcher Erlebnisse bieten können.«
Das ganze Mainzer Team, die weiblichen Coaches und die Team-Managerin übernachteten vor Ort auf dem Joudrs-Gelände in einer Turnhalle und selbstverständlich hatte sich Mainz zum angekündigten BBQ am Samstagabend angemeldet. Anders als erwartete fanden die Teams abseits der Spiele allerdings nicht zueinander, auch der BBQ-Abend bot hierfür keine Plattform und wurde von den anderen Teams kaum besucht.
»Das war ein bisschen schade«, findet die Softball-Managerin der Athletics, Felicitas Pommerening, die auch als Coach mit vor Ort war. »Wir hatten so ein bisschen Festival-Feeling auf dem Gelände erwartet, eine internationale Jugendbegegnung für die Spielerinnen, einfach etwas Besonderes auch in diesem Sinne.« Umso besser, dass die Mainzerinnen sowieso einen Abend für sich in Prag geplant hatten, direkt am Donnerstag nach der Anreise. »Ich bin sehr froh, dass die Spielerinnen das als Erlebnis bekommen haben. Dann hatten wir zwar nicht so sehr das Festivalfeeling, aber insgesamt würde ich sagen, war es ein bisschen wie eine Klassenfahrt.«
Aber eigentlich ging es um den Sport. »Wir haben zwei Mannschaften angemeldet, das ging gerade so mit unseren Teilnehmerinnen. Wir wollten, dass alle so viel wie möglich spielen – also nicht in großer Zahl auf der Bank sitzen. Auch, weil wir dieses Jahr nicht so viele Ligaspiele hatten.« Unterstützt wurden die Mainzerinnen dabei von drei RedWings und von der Nationalspielerin Pauline Haule aus Gammertingen. »Wir waren da durchaus stark aufgestellt. Aber so ein internationales Turnier ist eben etwas Anderes… Das Niveau, das wir da erlebt habe, war krass.« Selbst mit der geballten Stärke konnten die Mainzerinnen nicht gegen die gegnerischen Mannschaften standhalten.
Die Coaches sind trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – sehr stolz auf die mitgereisten Spielerinnen. Doug Globke, U16-Coach in Mainz und dieses Jahr auch Auswahltrainer der SWBSV-U19, bringt es auf den Punkt: »They saw teams that were faster, stronger and more experienced, but instead of being intimidated by it, I think it gave most of them even more drive. I saw them leave Prague more motivated, more confident and closer as teammates.« (Statt eingeschüchtert zu sein, haben die Spielerinnen sich von dem, was sie vor Ort gesehen haben, motivieren lassen. Zusätzlich sind sie als Team zusammengewachsen.)
Auch die Coaches Lea Hörner (Mainz) und Frank Siebers (RedWings) sind trotz der Niederlagen froh, dass die Spielerinnen dieses Erlebnis hatten. »Genau solche internationalen Turniere sind wichtig, weil sie die Spielerinnen sportlich und als Team enorm weiterbringen«, findet Siebers.
Felicitas Pommerening weiß vor lauter Möglichkeiten gar nicht, was sie am meisten hervorheben soll. »Da gibt es ganz viele Dinge. Ich fand toll, dass Tyra, aus unserer U16, mitgefahren ist, obwohl sie verletzt war. Sie wusste, sie würde nicht spielen können und hat uns Coaches dann im Dugout unterstützt.« Generell habe der Wille der Spielerinnen sie beeindruckt. »Wir hatten im Laufe des Turniers zwei Verletzungen in der Mannschaft, in der ich mit Coach war. Beide Mädchen wollten trotzdem unbedingt aufgestellt werden und weiterspielen. Die hatten unglaublich Biss und Durchhaltevermögen. Wenn man den Willen zu spielen so deutlich bei einer Spielerin sieht… das ist immer bewegend, find ich. Das bestätigt einen auch in der Arbeit, die wir uns da machen.« Sportlich war sie generell beeindruckt. »Ich war eine Weile nicht in Mainz und habe die Spielerinnen jetzt erst wiedergesehen, mit einem halben Jahr Pause. Unglaublich, was die in dieser Zeit für einen Sprung gemacht haben!«
Für manche Spielerinnen war es auch eine Art Abschlussfahrt, für Emily zum Beispiel, aus der Mainzer U19-Mannschaft. »Das passiert natürlich, dass Spielerinnen aufhören – aber es ist jedes Mal schade. Emily hat so viel gelernt und so viel Talent. Das hat sie auch speziell auf diesem Turnier nochmal gezeigt! Vielleicht stößt sie ja irgendwann wieder zu uns, das würde uns freuen.«
Viele Einzelleistungen könnten außerdem hervorgehoben werden, wie Laura (U19) mit ihren phänomenalen Catches im Outfield oder Maëlle (U16), die sich auch von den herausfordernsten Pitchterinnen nicht irritieren ließ. Maja (U16) lieferte als Pitcherin stark ab und die Mainzer Neu-Zugänge (Paige, Shy, Ellie) konnten sich alle direkt beweisen, ebenso wie die Gast-Spielerinnen aus Main-Taunus und Gammertingen.
Am letzten Tag habe man dann die Müdigkeit gemerkt. Vor allem auch neben dem Feld. »Das tat mir dann auch ein bisschen Leid«, sagt Pommerening. »Aber das gehört natürlich zu so einem großen Turnier mit so vielen Spielen dazu. Ich glaube, wir waren dann gar nicht so bös’ drum, dass die Gegner das letzte Spiel gegen uns abgesagt haben. Dann konnten wir zu einer einigermaßen humanen Uhrzeit nach Hause kommen – einen Abend vor Schulbeginn!«
Die mitgereisten Eltern wollen sich in Zukunft eine Scheibe »Fan-Spirit« von den Gästen aus den Niederlanden abschneiden, die mit Deko, Gesang und großer Lautstärke durchgängig präsent waren. Jede Mainzer Spielerin hat von den niederländischen Gezellen auch einen orangefarbenen Holzschuh als Schlüsselanhänger geschenkt bekommen. Generell war das Beschenken vor jedem Spiel eine schöne Geste, die die Mainzerinnen jetzt erst gelernt haben. »Wir haben in jeder Hinsicht viel gelernt«, lacht Pommerening.
Vor allem, dass man solche Turniere öfter machen sollte. Das nächste ist daher schon in Planung: In 2027 wollen die Mainzerinnen zu einem freundschaftlichen Softballturnier nach Frankreich fahren.
Fotos: Joudrs Praha / @simunkovaphoto