Zum Abschied von Lennard Stöcklin, Kevin Kotowski und Peter Johannessen

»Der beste Moment aufzuhören ist, wenn man das letzte Spiel gewinnt und Deutscher Meister wird«, findet DBL-Spieler Lennard Stöcklin. Deutscher Meister ist er geworden – in U15, U18 und bei den Herren. Aber nicht am 22. August 2026, als er seine Baseball-Karriere beendet. Trotzdem sei für ihn der richtige Moment nun gekommen. Auch Kevin Kotowski und Peter Johannessen nehmen Abschied.

Stöcklin war von ihnen am längsten in Mainz: 23 Jahre lang. Aber alle drei zählen zu »den Alten«. Dabei fällt dieser Begriff viel zu kurz, erzählt er doch nichts darüber, was sie eigentlich ausmacht und wie sie zu einem Team beigetragen haben, dessen Erfolgsrezept man am liebsten kopieren würde.
Alles begann 2006/2007. Viele Talente fanden da im Mainzer Nachwuchs zusammen und trainierten trotz ihrer jungen Jahre hart und zeitintensiv. »Wir hatten alle nur Baseball im Kopf!«, erzählt Stöcklin. »Das haben wir Ulli Wermuth und Cae Santos zu verdanken, die da einen Riesen-Job gemacht haben.« Mit großer Leidenschaft seien die Trainer bei der Sache gewesen. Der Funke springt sofort.
Santos freut sich über das große Lob der Spieler, die er als Kinder und Jugendliche trainiert hat, gibt das Lob aber unumwunden zurück. »Sie sind doch diejenigen, die zum Training gekommen sind!« Auch die Eltern hätten eine starke Rolle gespielt. Und der ganze Verein. »Everything came together«, findet der Amerikaner.
»Die größte Hilfe für diese Sportler«, findet auch Ulli Wermuth, »war letztlich ihre eigene Einstellung.«
Aber irgendetwas haben die beiden Trainer wohl richtig gemacht. »Die haben uns da in U15 und U18 zusammengeschweißt«, erzählt Stöcklin. Die Bande zwischen den Spielern wirkt weit in ihre Bundesliga-Jahre hinein und hält bis zum Schluss. Bis heute. »Am meisten werde ich vermissen, mit Freunden auf dem Platz zu stehen.«
Kein Wunder ist da am Ende ganz viel Abschiedsschmerz, sind da so viele Emotionen, nicht nur bei Stöcklin selbst.
Wer bei ihrem letzten Spiel dabei war, beim Viertelfinale der Playoffs im Stadion am Hartmühlenweg, konnte es spüren: Das Kämpferische der Extra-Innings kippte im Anschluss sofort in Traurigkeit, mit einer Färbung, die deutlich anders war, als sonst bei bitteren Niederlagen. Selbst die Hamburger, die als Sieger vom Platz gingen, taten dies auffällig verhalten und respektvoll, vorbei an Fans, die sitzengeblieben waren, viel länger als sonst, aus der Ferne Anteil nehmend. Im Right Field standen währenddessen die Drei, die sich verabschiedeten, um sie herum die aktuelle Mannschaft, aber auch viele Ehemalige, die auf den Rasen gekommen waren, daneben Eltern, Partnerinnen – und Presse. Kevin Kotowski wird interviewt, Tränen in den Augen.
Kevin Kotowksi kam 2007 nach Mainz. Als Bullpen-Catcher wurde er direkt von Santos und Wermuth mit in die Bundesliga genommen. Im selben Jahr gewinnt Mainz die Meisterschaft. Ein Meilenstein. Ein Karriere-Highlight, gleich zu Beginn – Kotowski ist damals 16.
Der Ablauf täuscht allerdings, denkt man nun, er habe es besonders leicht gehabt. Seinen Platz in der BL habe er sich hart erkämpfen müssen, erinnert er sich. Für alle, die damals jung waren, gelte das. »Wir mussten uns da durchsetzen!«
Als der schwedische Nationalspieler Peter Johannessen 2011 mit viel internationaler Erfahrung nach Mainz wechselt, findet er entsprechend in Kevin Kotowski einen Trainingspartner, der sich regelmäßig schon nachmittags am Platz mit ihm trifft. Damals habe er viel von dem älteren Johannessen gelernt, erzählt Kotowski. Auch abends seien sie dann zusammen weggegangen.
Das Zusammengeschweißte schwappt über den Platz hinaus, scheint es, ins Leben der Spieler, die jetzt junge Erwachsene sind. »Wir haben alle so viel Zeit miteinander verbracht«, erinnert sich Kotowski. »Wir haben zusammen gelacht, gefeiert, getrauert – egal, was war, man hat die Jungs als Unterstützung gehabt.«
Die Kameradschaft, die Johannessen in Mainz vorfand, war auch für ihn etwas Besonderes. In seinen vorherigen Teams, in Schweden, Italien und Australien, habe er das so nicht erlebt. Die Mainz Athletics wachsen ihm ans Herz. »Standing on that field with your teammates and looking up at the stands (…) is really special. It’s not something that everyone gets to experience and I’m very happy that I did.« Dankbar spricht er über die Erlebnisse bei Mainzer Heimspielen, über die Unterstützung der Fans.

Schon ein Jahr nach seiner Ankunft hält Johannessen eine besondere Rolle im Team inne: Er ist der Quizmaster und unterhält die Teamkollegen auf jeder Auswärtsfahrt mit Jeopardy-Fragen. »Luckily there’s two vans.« Die, die nicht gerne spielen, sitzen im anderen Bus. Aber natürlich ist das nicht alles, was Johannessen mitbringt. Auch ihm wird »die richtige Einstellung« attestiert.
Laut Wermuth verbirgt sich dahinter vor allem Eigenantrieb, gekoppelt mit Disziplin. »Bei diesen Drei war die Grundlage immer da: Sie wollten selbst besser werden und waren bereit, dafür etwas zu investieren.«
2016 gewinnt Mainz dann wieder die Deutsche Meisterschaft. Verdienter Maßen. Mit einer sehr, sehr starken Mannschaft, die lange für diesen Sieg gearbeitet hat. Für Kotowski, Stöcklin und Johannessen das absolute Highlight ihrer Baseball-Karriere.
Wobei auch Kotowski und Stöcklin Nationalspieler wurden, für Deutschland bei der Europameisterschaft spielten und sich an ihre internationalen Turniere gerne zurückerinnern. Dennoch: Mit den A’s weit zu kommen, ist offensichtlich etwas Anderes. Selbst die Jahre, in denen der Meistertitel nicht nach Mainz ging, es aber knapp für die Athletics war, sind ihnen besonders in Erinnerung geblieben.
Jetzt, 2026, hat Wermuth wieder als Trainer in Mainz unterstützt, war also ausgerechnet in der letzen Saison der Drei erneut ihr Begleiter am Platz. »Ich fühle mich geehrt, dass ich bei ihrem letzten Spiel dabei sein durfte«, sagt er. »Ich habe sie auch als Mensch wachsen sehen – und darauf bin ich mindestens genauso stolz wie auf das, was sie sportlich erreicht haben.«
Gerne hätte er nach dem Viertelfinale mit ihnen weitergespielt, um den Titel gekämpft. »Genauso wie sie selbst.« Auffällig, dass der, der einst den Funke springen ließ, keineswegs sagen kann, das Feuer sei jetzt ja auch aus. Er selbst glaubt entsprechend auch nicht so recht an das Ende, hofft auf eine Rückkehr von mindestens einem der drei Spieler in der neuen Saison.
Nici Weichert scheint diese Hoffnung nicht zu teilen.
Er gehört eigentlich zu ihnen, zu den Dreien. Zu den Zusammengeschweißten. Er war in jungen Jahren mit im Santos-Training und dann lange Bundesligaspieler, bis zuletzt. Auch er wird vermissen, mit Freunden auf dem Platz zu stehen – mit dem Unterschied, dass er seinerseits noch da stehen wird.
Dass er diese Saison nicht gespielt hat, sondern dem Team als Bundesligatrainer gegenüberstand, empfand offensichtlich niemand als aus-der-Rolle-gefallen. Im Gegenteil. »Das war sauschön zu sehen«, sagt Kotowksi. Weichert sei von Anfang an professionell gewesen. »Er war immer sehr gut vorbereitet und hat das auch mit viel Herz gemacht. Ich bin sehr stolz auf ihn, wie er sich da entwickelt hat.«
Weichert selbst ist kritischer ob seiner Rolle und überlegt, was man vielleicht von Santos wieder einführen müsse. Dabei hat Santos mit dem Erfolg, der ihm zugeschrieben wird, gar nicht gerechnet. Er spricht zutiefst beeindruckt über seine einstigen Spieler, fast überrascht.
Gleichermaßen kann niemand wissen, was aktuelle Mainzer SpielerInnen in 20 Jahren sagen werden. Über ihre Trainer von heute. Über die Freundschaften, die sie gerade schließen. Über gelebte Baseball-Leidenschaft.
»Das sind gute Jungs, die wir da im Verein haben«, sagt Stöcklin über die, die schon nachgerückt sind, in die BL. »Es macht Spaß, mit denen zu trainieren und zu spielen und die haben alle das Herz am rechten Fleck.«
Unabhängig voneinander kommen am Ende alle auf denselben Schluss:
»Ich wünsche den A’s, dass die Gruppe jetzt, diese neue Gruppe, die Deutsche Meisterschaft gewinnt!«, so Kevins Worte.
Johannessen will aktiv nachhelfen: »I’ll be watching and making sure they don’t slack off!«
Denn der Abschied aus dem Team ist natürlich kein Abschied vom Verein. »Mainz A’s will always be a part of my life«, sagt Johannessen. »I will always be around.«
Wir sehen uns am Baseballplatz.
Lennard Stöcklin, Kevin Kotowski und Peter Johannessen: Danke für euren Einsatz und alles Gute.

Text: Felicitas Pommerening
Fotos: Archiv